Das Schutzschirmverfahren in der Insolvenz

Mit dem Schutzschirmverfahren bietet das Insolvenzrecht Chancen für einen Neuanfang

Im Volksmund wird der Begriff „Insolvenz anmelden“ aus traditionellen Gründen meist damit gleich gesetzt, dass ein Unternehmen nun endgültig pleite wäre und damit der Geschäftsbetrieb eingestellt werden würde. Allerdings kennen die deutschen Gesetze mehrere Abstufungen eines Insolvenzverfahrens. Dabei werden immer die berechtigten Interessen der Gläubiger abgewogen gegen die Chance auf einen Neuanfang oder die Betriebsfortführung des Unternehmens.

Aus diesem Grund ist es auch nicht strafrechtlich relevant, wenn ein Unternehmen durch Fehlentscheidungen, nicht mehr attraktive Angebote oder schlichtweg einen Technologiebruch in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommt.

Wenn ein Unternehmen in München feststellt, dass Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung droht, dann hilft der Weg zum Gericht: Dort wird die Firmeninsolvenz angemeldet, wobei je nach Verschuldung und einer Fortführungsprognose ganz unterschiedliche Varianten möglich sind.

Haftung und Chancen beim Schutzschirmverfahren

Das Statistische Bundesamt meldete für das Jahr 2016 beinahe 21.000 Insolvenzen von größeren Unternehmen dazu noch knapp über 20.000 Insolvenzen von ehemals Selbständigen und Freiberuflern (https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/03/PD17_092_52411.html).

Die jahrzehntelange Erfahrung mit in Konkurs gegangenen Unternehmen zeigte aber:

Sind die bevorrechtigten Gläubiger (wie beispielsweise die Steuerschulden oder Sozialabgaben) bedient, so erhalten die verbleibenden Gläubiger oftmals nur einen sehr geringen, einstelligen Prozentwert auf ihre Forderungen. Dies lieg t oftmals darabn, dass unternehmensspezifische Büro- und Geschäftsausstattung zwar noch einen Nutzwert hat, sich die wahren Werte aber im Rahmen einer hektischen Versteigerung oder Unternehmensauflösung nicht realisieren lassen.

Fortführung statt Zerschlagung

Das Schutzschirmverfahren – welches sich aus § 270 b der Insolvenzordnung ergibt – setzt andere Akzente: Das Unternehmen soll die Möglichkeit der Fortführung des Geschäftsbetriebs erhalten, die Gläubiger sollen durch die dadurch geschaffenen Werte einen höheren Anteil der Forderungen realisieren können. Das Unternehmen stellt einen Antrag auf die Eröffnung einer Insolvenz, gibt eine Fortführungsprognose ab (der endgültige Konkurs soll nicht unabwendbar sein) und er reicht einen Insolvenzplan bei Gericht ein.

Das Schutzschirmverfahren bzw. dessen Einleitung ist zwar an sehr enge Fristen gebunden, aber dennoch nicht sehr kostenintensiv. Als „Fortführungsprognose“ reicht ein von einem Wirtschaftsprüfer, einer Kanzlei oder einer anderen kundigen Person ausgestellte Bescheinigung, die die Fortführungsmöglichkeit bescheinigt. Das Schutzschirmverfahren – auf das es keinen Rechtsanspruch gibt – kann dann im günstigsten Fall eingeleitet werden.

Notwendige Zustimmungen für den Beginn des Verfahrens

Beim Beginn des Verfahrens müssen sowohl Unternehmensorgane, als auch externe Dritte zustimmen. Bei den Unternehmensorganen handelt es sich um die Hauptversammlung bzw. Gesellschafterversammlung. Auch die wesentlichen Gläubiger müssen nach http://www.insolvenzverwaltermuenchen.com/ rechtzeitig informiert und über das geplante Schutzschirmverfahren informiert werden.

Nur so sichert sich das Unternehmen das Wohlwollen der Gläubiger, die ja weiterhin im Risiko für die offenen Forderungen stehen. Diese Abstimmung ist insbesondere dann von großer Bedeutung, wenn das insolvenzbedrohte Unternehmen weiterhin Rohstoffe, Zwischenprodukte oder Leistungen beziehen will. Würden die Gläubiger nicht gefragt werden, so könnten sich diese auf verschiedene Art und Weise querlegen und die Überlebensfähigkeit des Unternehmens in Frage stellen.

Je nach Größe des Unternehmens kann dann die Einberufung eines Gläubigerausschusses der größten Gläubniger verpflichtend oder auch nur wünschenswert sein. Wenn Sie Lieferant eines Unternehmens im Schutzschirmverfahren sein sollten, dann sollten Sie die Rechte innerhalb des Gläubigerausschusse s unbedingt wahrnehmen. Dort erfahren Sie aus erster Hand, wie das Unternehmen mit dieser außergewöhnlichen Situation umgeht und wie die nächsten Schritte aussehen könnten.

Belastungen für den Gläubiger

Mit dem Schutzschirmverfahren sind oftmals auch verschiedene Belastungen für die Gläubiger verbunden, sei es ein Zahlungsaufschub (Moratorium) oder auch ein teilweiser Verzicht auf die bisher entstandenen Forderungen. Auf der Habenseite des Schutzschirmverfahrens steht aber die Chance weiterhin einen Kunden behalten und diesem wieder auf die Füße helfen zu können.