Der NSU und Beate Zschäpe

Wo stehen wir im NSU Prozess?

Einer der wichtigsten Prozesse der Nachkriegsgeschichte neigt sich langsam aber sicher seinem Ende zu. Der NSU Prozess.

Es war spektakulär – diverse Morde in Deutschland begangen durch Rechtsterroristen, ohne das dies jahrelang jemanden aufgefallen wäre. Ist die deutsche Justiz auf dem rechten Auge blind? Man kann auf jeden Fall festhalten, dass die deutschen Ermittler bei den Morden im türkischen Milieu sich sehr rasch und sehr borniert auf die Idee einer Mafiamordserie durch einen Auftragsmörder festgenagelt haben.

In Wirklichkeit mordete jedoch über Jahre hinweg eine Terrorzelle in Deutschland.

Was ist der NSU Prozess genau?

NSU steht für nazionalsozialistischer Untergrund. Das Trio des NSU um Mundlos, Böhnhart und Zschäpe mussten in den Untergrund gehen, nachdem diese wegen eines Bombenbaus und wegen verschiedener Raubüberfälle bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben wurden. Dennoch wurden diese nie gefasst.

Als sich die Kreise immer enger zogen und der Fahndungsdruck spürbar wurde, zogen Mundlos und Bönhart die Notbremse und begangen Suizid, indem sie in ihrem Wohnwagen eine Sprengstoff Explosion herbeiführten. Zschäpe hingegen befand sich zu der Zeit nicht im Wohnwagen. Um spuren zu verwischen zündete sie ihr eigenes Haus an und stellte sich dann der Polizei. Im NSU Prozess ist sie daher die Hauptangeklagte.

Wie weit ist der Prozess fortgeschritten

Anfangs fanden sich an jedem Verhandlungstag trauben von Reportern, Angehörigen, Anwälten und Demonstranten ein. Der ganze Bereich vor dem Oberlandesgericht München war außer Rand und Band. Dies legte sich dann relativ rasch, da ein solcher Mammutprozess ein sich schleppendes Ereignis ist und durch unzählige Befangenheitsanträge und andere Verzögerungstaktiken durchsetzt ist.

Ein solches Ereignis wirklich tiefgreifend aufzuarbeiten ist eine Meisterleistung, wie sie im Buche steht. Unzählige Handlungs und Kausalitätsktten müssen angedacht und dann stringent durchverhandelt werden. Dies gelang den Richtern sehr gut, so dass sich der Prozess nun in den finalen Zügen befindet.

Im derzeitigen Prozessstadium wird bereits die Persona Zschäpe selbst beleuchtet. Sie hat sich einer Examination durch einen psychologischen Gerichtsgutachter verweigert, so dass Herr Prof. Saß nur eine Expertise anhand von Prozessbeobachtungen und Drittinformationen anstellen konnte. Dies wird mittels eines Gegengutachtens durch den Verteidigerpschologen Prof. Bauer angegriffen.

Ist mit einer Verurteilung zu rechnen?

Man kann nicht in die Gehirne der Richter sehen. Wenn man allerdings die Zeichen richtet deutet und den Prozessverlauf kennt, muss man konstatieren, dass eine Verurteilung wahrscheinlich ist. Man muss allerdings bedenken, dass sich der Prozess ausschließlich auf Indizien stützt, da sich Frau Zschäpe nur partiell zu den Tatvorwürfen in schriftlicher Form durch ihre Verteidiger aüßert.

Zentral geht es um die Frage, ob Frau Zschäpe aktiv mitgemordet hat, was bislang zu verneinen ist. Es kommt daher nur eine Mittäterschaft in Betracht. Hierfür kommt es darauf an, ob sie von den Morden im Vorfeld wusste und inwieweit sie an diesen in irgendeiner Form mitwirkte und diese Unterstützte. Wenn diese zu bejahen ist steht am Ende eine Verurteilung zu lebenslanger Haft im Raum.

Aktuelle Dokumentation

Ich habe eine sehr gut gelungene und recherchierte Dokumentation zu dieser Thematik und zu dem NSU Prozess gefunden, welche ich gerne mit Ihnen teilwen würde. Ich wünsche Ihnen große Erkenntnisgewinne: