Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt

Justiz und Gerechtigkeit: Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Recht haben und Recht erhalten sind nicht ein und dasselbe. „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ ist der Titel eines Buches von Werner Koczwara, das 2010 erstmalig im Verlag Antje Kunstmann erschien und inzwischen auch im Heyne Verlag herausgegeben wird.

Der Autor und Satiriker hat es sich zur Aufgabe gemacht, die deutsche Justiz im Allgemeinen und den Beruf des Rechtsanwalts im Besonderen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei kommt natürlich auch der Humor nicht zu kurz, ja er ist bei dem Thema Rechtsprechung geradezu unvermeidlich.

Erfinder des juristischen Kabaretts

Auf Spiegel-Online wurde dem 1957 geborenen Koczwara der Titel „Erfinder des juristischen Kabaretts“ zugesprochen. Er ergründet akribisch das humoristische Potential der Juristensprache, welche die meisten Menschen außerhalb des juristischen Betriebs nicht selten ratlos macht. Jeder, der schon einmal in die Mühlen der Justiz geraten ist, wird das bestätigen können. Die FAZ attestierte Koczwara kurz nach Erscheinen seines Buches rhetorische Brillanz.

Die Lektüre seines Buches ist also jedem zu empfehlen, der die Themen Rechtsprechung, Justiz, Anwälte usw. mal von der etwas leichteren Seite aus nehmen will und der vor schwarzem Humor nicht zurückschreckt. Koczwara tritt als Kabarettist übrigens nicht nur auf Bühnen und in entsprechenden TV-Formaten auf, sondern auch in Gerichtssälen und auf juristischen Kongressen. Das zeigt, dass wohl auch der eine oder andere Anwalt über eine Portion Humor verfügt.

Mittler zwischen Gut und Böse

Der Autor teilt in seinem Vorwort die Welt in die Guten und die Bösen auf. Die Bösen sind die üblichen Missetäter, also Verbrecher wie Betrüger, Räuber und Diebe. Auf der Seite der Guten finden wir dagegen die Polizei, die Richter und Mitarbeiter des Strafvollzugs.

Das klingt zugegebener Maßen recht nach Aufteilung in Schwarz und Weiß. Da es aber um Humor geht, und ausgesprochen bissigen und komischen noch dazu, sei das nachgesehen. Außerdem braucht Koczwara dieses Konstrukt, um die Anwälte genau dazwischen, also zwischen Gut und Böse, zu verorten und sie gleichzeitig auf eine Stufe mit einem Tier zu stellen.

Wie schnell auch der einigermaßen redliche Bürger auf die Hilfe eines Anwalts angewiesen sein kann, sei es aufgrund von Ehescheidung, Erbschaftsstreit oder Verkehrsdelikten, sei hier ebenfalls erst einmal vernachlässigt. Gleichwohl nimmt Koczwara auch Themen wie Mietrecht, Verkehrsrecht und das Strafrecht im Allgemeinen in Angriff.

Der Anwalt als resistente Spezies

Paragrafen und Gesetze, insbesondere deutsche, sind Themen, die laut Koczwara wie keine anderen für unbeschwertes Lachen und großartige Unterhaltung stehen. Wer der Justiz einmal ausgeliefert war, wird das vielleicht nicht so bestätigen.

Wer jedoch das Buch „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ liest, gibt Koczwara zweifelsfrei recht. Dabei schaut der Autor, studierter Publizist und Politikwissenschaftler, der auch Amerikanistik studiert hat, auch immer wieder über den deutschen Tellerrand hinaus. Gleich einleitend in seinem ersten Kapitel „Der Anwalt“ unterstellt er amerikanischen Wissenschaftlern herausgefunden zu haben, dass es in zwei Millionen Jahren auf der Erde nur noch Rechtsanwälte und Termiten geben wird, seien doch beide Spezies gleichermaßen gefräßig und unersättlich.

Ausblick

Im arabischen Raum hingegen ist der Anwalt lediglich ein Kamel, auf dem ein Geschäftsmann durch die Wüste reitet. Doch wollen wir am Anwalt auch das eine oder andere gute Haar lassen. Wohl dem, der keinen braucht. Und Glück für den, der einen braucht und einen guten findet. Und eines ist nicht zu vergessen: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.